Masters-WM im koreanischen Gwangju

Für die diesjährige WM hatte die FINA einen weit entfernten Wettkampfort festgelegt: Das südkoreanische Gwangju war zunächst Gastgeber für die WM der Elite, die Masters folgten dann zwei Wochen später. Vom 05.-18.08.2019 gab es hier die Entscheidungen im Wasserball, Synchronschwimmen, Springen, Freiwasser und natürlich bei den Beckenwettkämpfen. Es fanden sich zehn Neuköllner Masters Schwimmer, die den weiten Weg nach Korea antraten und die Farben des Vereins vertreten wollten. Als erfahrene WM-Teilnehmer waren dies: Wolfgang Haack, Andrea Kunkel, Brigitte Merten, Angelika Radau, Ruth Stübert und Susanne Tietz. Verstärkt wurden sie durch die Jungmasters Alisa Riebensahm, Marcel Selinger und Tobias Zajusch, die zum ersten Mal international bei den Masters an den Start gingen und somit das Team gut verstärken konnten.

Bei den Vorbesprechungen für die Staffeln stellte sich heraus, dass für die Aufstellung der Männerstaffeln noch ein Teilnehmer fehlte. Dankenswerterweise hatte sich Florian Merten, der zuletzt als Jugendlicher bei den Schwimmern gestartet war, bereit erklärt, hier einzuspringen. Im Schnellverfahren stieg er ins Training ein, durchlief die Lizensierungsprozedur beim DSV sowie die Akkreditierung für die WM und komplettierte so kurz vor Meldeschluss die Mannschaft. Nach abgeschlossener Planung und fleißigem Training brachen wir also voller Erwartungen und Tatendrang nach Korea auf.

Während die einen noch das Touristenprogramm in der Hauptstadt Seoul oder auf der Insel Jeju absolvierten, begann für Susie bereits der Wettkampf, sie ging im Hafenbecken von Yeosu über die 3000m Freiwasser an den Start. Es sollte sich für sie lohnen, denn sie erreichte einen guten 6. Platz und freute sich über die erste Erinnerungsmedaille, die für die Plätze 4 – 6 ausgegeben wird. Was für ein gelungener Wettkampfauftakt! Inzwischen waren auch Andrea, Angelika, Gitti, Florian und Wolfgang in Gwangju angekommen und bezogen ihr Quartier im Athletendorf. Hier wurde die Idee des olympischen Dorfes verwirklicht und die Sportler konnten für die Zeit des Wettkampfes auf einem neu erbauten Hochhausgelände Wohnungen beziehen. Was erst einmal seltsam anmutete war, dass man die neu erbauten Wohnungen und das Mobiliar vor Gebrauchsspuren schützen wollte, daher waren Wände und Fußböden mit Schutzfolien verkleidet, die Matratzen eingeschweißt und die Küchenmöbel komplett verpackt. Nur der Kühlschrank war zu benutzen. Weiterhin wurden uns pro Wohneinheit eine Mikrowelle und ein Wasserkocher gestellt. Dennoch gewöhnten wir uns schnell an das spärliche Mobiliar und wir stellten fest, dass eigentlich alles da war, was wir brauchten, und die meiste Zeit hielten wir uns sowieso in der Schwimmhalle oder auf dem weitläufigen Gelände des Nambu Aquatics Center auf. Nur die eingeschweißte Matratze, die bei jeder Bewegung knisterte, war bei Temperaturen von 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit nicht so angenehm, da musste die Klimaanlage auch nachts eingeschaltet bleiben.

Zum Frühstück traf man sich mit den anderen Sportlern in einer großen Halle so dass hier die Idee des olympischen Dorfes auch wirklich gelebt wurde. Sportler aller Nationen frühstückten gemeinsam und man kam ins Gespräch. So traf ich hier meinen argentinischen Sitznachbarn aus dem Flugzeug wieder und die nette Namibierin, mit der ich Badekappen getauscht hatte. Auch beim Essensangebot hatte man sich Mühe gegeben, auf die verschiedenen Bedürfnisse der Nationen einzugehen, neben traditionellen asiatischen Speisen gab es kontinentales Frühstück, Eier, Speck, Müsli, Joghurt, frisches Obst, Säfte und sogar ein kleines Halal-Büffet, so dass jeder etwas fand, um satt zu werden und gut vorbereitet an den Start zu gehen. Allerdings machten wir hier die erste Bekanntschaft mit der koreanischen Disziplin: Frühstück bis 10 Uhr heißt: Um 10 Uhr ist der letzte Bissen geschluckt, der Kaffee ausgetrunken, das Besteck zurückgegeben, der Müll getrennt und man verlässt die Halle. Ansonsten wird man freundlich aber bestimmt dazu aufgefordert, vorgenanntes genau jetzt und ohne Verzögerung zu tun. Gut, das Problem trat nur an wettkampffreien Tagen auf, an denen man eigentlich mal ganz ausgiebig und in Ruhe frühstücken wollte.

Zur Zehn Kilometer entfernten Schwimmhalle verkehrten Shuttlebusse im 20-Minuten-Takt, was bei der bereits erwähnten koreanischen Disziplin auch sehr gut klappte. Zum ersten Mal nutzen wir den Shuttleservice um uns zu akkreditieren. Auf dem Gelände der Nambu-University, wo die Wettkämpfe der Beckenschwimmer und Springer stattfanden, waren gerade die Wasserballspiele zu Ende gegangen. Wir trafen die Mannschaft von Spandau 04, die feucht-fröhlich den Gewinn der Silbermedaille in der AK 45 feierte und sahen zwei bekannte Gesichter: Maximilian Sawy und Robert Leuendorf hatten das Spandauer Team verstärkt und waren unter den Feiernden. Wir gratulierten zur Vizeweltmeisterschaft, wurden gleich in die fröhlich feiernde Truppe eingemeindet und konnten die SG Neukölln-Fahne übernehmen.

Am nächsten Tag wurde es nun für uns Beckenschwimmer ernst, die 800m Freistil standen auf dem Programm. Hier gingen Andrea und Susie an den Start. Während Andrea mit der Zeit nicht ganz zufrieden war, sich aber trotzdem über Platz 12 freute, bewies Susie, dass das Freiwasserschwimmen die perfekte Vorbereitung für die Langstrecke im Becken war. Sie belegte mit guter Zeit Platz 5 in der AK 45 und freute sich über die nächste Erinnerungsmedaille. Am nächsten Tag hatte Gitti dann ihren ersten Start über 100m Freistil. Hier gab es den ersten Treppchen Platz, sie musste nur eine Konkurrentin aus Südafrika vorbeiziehen lassen und gewann die Silbermedaille in der AK 70. Als nächstes war Wolfgang über 100m Brust an der Reihe. Auch er konnte sich am Ende über Platz 6 in der AK 55 und eine Erinnerungsmedaille freuen. Die Siegerehrungen fanden in einem Kellerraum der Schwimmhalle statt, was zunächst bei einigen auf Kritik stieß. Doch die Ehrungen selber wurden so stilvoll und mit dem gleichen Aufwand wie bei der Elite durchgeführt, dass man die spartanische Location bald ausgeblendet hatte. Neben der Medaille gab es diesmal für die Plätze 1 – 3 auch die Maskottchen der Veranstaltung, ein niedliches Otter-Mädchen namens Dari. Je mehr Siegerehrungen man verfolgte, desto mehr gewann man den Eindruck, dass viele Masters, egal welchen Alters, sich über das kleine Stofftierchen genauso freuten, wie über die Medaille. Für uns Neuköllner ging die Sammlung munter weiter.

Am dritten Tag machte es Gitti über die 400m Lagen spannend und gewann die Goldmedaille mit nur drei Hundertstel Vorsprung vor ihrer ungarischen Konkurrentin. Das erste Gold, hurra! Andrea kämpfte mit einer Erkältung und musste auf diese Strecke daher leider verzichten. Dafür nahm sie später die 200m Freistil in Angriff und war mit dem 7. Platz in der AK 50 und ihrer Zeit zufrieden. Gitti war jetzt gut eingeschwommen und gewann die 50m Schmetterling mit einem für die kurze Strecke bemerkenswerten Vorsprung. Zwei Mal Gold bei zwei Starts, besser geht es nicht! Inzwischen waren auch die drei WM-Debütanten Alisa, Marcel und Tobias eingetroffen und machten sich mit der Wettkampfstätte vertraut. Der vierte Wettkampftag begann mit den 50m Freistil. Hier legte Ruth vor und sicherte sich die Silbermedaille in der AK 70. Alisa zog nach, nutzte ihre Chance und wurde bei ihrem ersten WM-Start gleich mit einer Bronzemedaille in der AK 25 belohnt. Es folgten die 200m Lagen. Hier gab es wieder einen souveränen Sieg für Gitti und Goldmedaille Nr. 3 für sie. Ruth belegte hier Platz 5 und freute sich über eine Erinnerungsmedaille. Alisa hatte sich die Strecke klug eingeteilt und sicherte sich im Schlussspurt die nächste Bronzemedaille. Was für ein erfolgreiches WM-Debüt für sie! Danach standen noch die 100m Schmetterling auf dem Programm. Hier dominierte Gitti die Konkurrenz und schloss ihre Einzelwettkämpfe mit der 4. Goldmedaille ab. Die Medaillensammlung wurde immer größer und Familie Dari war nun schon zu fünft und grüßte von ihrem Bett. Über die gleiche Strecke gab nun Marcel sein WM-Debüt und erreichte mit einer guten Zeit Platz 12 in der stark besetzten AK 30.

Es folgte der Staffeltag und hier hatten wir uns einiges vorgenommen. Den Anfang machte die 4× 50m Freistilstaffel der Damen. In der AK 240 belegten Susie, Gitti, Ruth und Andrea den 3. Platz und freuten sich über Medaille, Maskottchen und die gute Teamleistung. Als nächstes ging das Männer-Team, bestehend aus Tobias, Florian, Wolfgang und Marcel an den Start und belegte Platz 12 in der AK 120. Bei den Staffeln ging es nun Schlag auf Schlag, oft blieb nicht einmal Zeit zum Umziehen. Bei den 4× 50m Lagen der Frauen starteten in der AK 240 Alisa, Angelika, Gitti und Ruth. Auch dieses Quartett freute sich am Ende über die Bronzemedaille. Die 4 Herren starten ebenfalls über diese Strecke und belegten in der AK 120 mit guter Teamleistung Platz 10. Den Schlusspunkt des Staffeltages bildeten die beiden Mixed-Staffeln. Über 4× 50m Freistil Mixed gingen Marcel, Alisa, Andrea und Tobias an den Start und belegten in der AK 120 den 6. Platz. Bei der 4× 50m Lagen Mixed-Staffel starteten in der AK 160 Alisa, Wolfgang, Marcel und Andrea und erkämpften sich mit vollem Einsatz den 5. Platz. Da auch bei den Staffeln für die Plätze 4 – 6 noch Erinnerungsmedaillen vergeben wurden, konnten sich auch Marcel und Tobias bei ihrer ersten WM-Teilnahme über Medaillen freuen. So fand der Staffeltag ein sehr erfolgreiches Ende.

Während für die meisten die Wettkämpfe nun beendet waren, Alisa, Marcel und Tobias die Heimreise antraten und für Gitti, Florian, Angelika und Andrea das Touristenprogramm begann, hielten Susie und Wolfgang weiterhin die SGN-Fahne hoch und absolvierten ihre letzten Wettkämpfe. Die 200m Brust endeten für beide mit guten Zeiten, Susie belegte Platz 11 und war dennoch zufrieden, denn seit 2016 war sie nicht mehr so schnell über diese Strecke gewesen. Wolfgang wurde 5., konnte sich um einen Platz gegenüber der hundert Meter Strecke steigern und gewann die nächste Erinnerungsmedaille. Am letzten Wettkampftag holte sich Wolfgang über die 50m Brust erneut einen 5. Platz mit persönlicher Jahresbestleistung. Susie absolvierte noch die 400m Freistil und fügte Ihrer Medaillensammlung eine weitere Erinnerungsmedaille für den 6. Platz hinzu. Was für ein erfolgreicher Abschluss für beide!

Trotz des fernen Ziels waren es gelungene und gut organisierte Weltmeisterschaften. Es gab immer die Möglichkeit, sich ein- und auszuschwimmen oder Trainingsmöglichkeiten an den wettkampffreien Tagen auf dem Gelände zu nutzen. Der Transport mit den Shuttlebussen funktionierte reibungslos. Es gab immer und überall kostenloses Trinkwasser in Flaschen, sei es in Kühlschränken auf dem Wettkampfgelände oder in den Fluren des Athletendorfes. Die Siegerehrungen wurden zügig und mit sehr viel Würde und Anerkennung durchgeführt, am koreanischen Nationalfeiertag sogar in Anwesenheit des Bürgermeisters von Gwangju. Man traf immer und überall auf hilfsbereite Koreaner, die zwar wenig Englisch sprachen, aber fast alle Sprachapps auf den Handys hatten, die die Verständigung dennoch ermöglichten. So mancher Volunteer, eigentlich als Shuttleservice zum U-Bahnhof eingeteilt, hat uns dann auch mal zum Schwimmbad gefahren, wenn der Bus gerade weg war.

Noch in Gwangju und später auch auf unserer Rundreise lernten wir dieses schöne und vielfältige Land kennen und hatten viele schöne Erlebnisse. Wir futterten uns durch die kulinarischen Spezialitäten des Landes und lernten, dass das wichtigste Utensil beim koreanischen Barbecue eine Schere zum Kleinschneiden des Grillfleisches ist. Kimchi, die scharfe koreanische Variante des Sauerkrauts schmeckte uns so gut, dass wir hier jetzt die Asia-Läden abklappern, um es weiterhin zu genießen. Ja und die Schere beim Grillen hat sich auch bei der Grillparty im heimischen Garten schon bewährt. In diesem Sinne freuen wir uns auf die nächste Masters-WM in Südostasien. Fukuoka 2021, wir kommen!

Andrea Kunkel

Ergebnisse:
Wolfgang Haack, AK 55
100 m Brust 6. Platz 1:20,53 min
200 m Brust 5. Platz 3:05,09 min
50 m Brust 5. Platz 0:35,69 min
Andrea Kunkel, AK 50
800m Freistil 12. Platz 11:45,14 min
200m Freistil 7. Platz 2:37,15 min
Brigitte Merten, AK 70
100m Freistil 2. Platz 1:22,30 min
400m Lagen 1. Platz 7:38,26 min
50m Schmetterling 1. Platz 0:39,57 min
200m Lagen 1. Platz 3:24,21 min
100m Schmetterling 1. Platz 1:37,16 min
Alisa Riebensahm, AK 25
50m Freistil 3. Platz 0:27,60 min
200m Lagen 3. Platz 2:28,30 min
Marcel Selinger, AK 30
100m Schmetterling 12. Platz 1:01,03 min
Ruth Stübert, AK 70
50m Freistil 2. Platz 0:37,22 min
200m Lagen 5. Platz 4:00,15 min
Susanne Tietz, AK 45
800m Freistil 5. Platz 11:35,30 min
200m Brust 11. Platz 3:30,03 min
400m Freistil 6. Platz 5:40,50 min
3000m Freiwasser 6. Platz 47:59,80 min
4×50m Freistil weiblich, AK 240
Susanne Tietz, Brigitte Merten, Ruth Stübert, Andrea Kunkel
3. Platz 2:22,40 min
4×50m Freistil männlich, AK 120
Tobias Zajusch, Florian Merten, Wolfgang Haack, Marcel Selinger
12. Platz 1:52,62 min
4×50m Lagen weiblich, AK 240
Alisa Riebensahm, Angelika Radau, Brigitte Merten, Ruth Stübert
3. Platz 2:38,59 min
4×50m Lagen männlich, AK 120
Tobias Zajusch, Wolfgang Haack, Marcel Selinger, Florian Merten
10. Platz 2:03,68 min
4×50m Freistil mixed, AK 120
Marcel Selinger, Alisa Riebensahm, Andrea Kunkel, Tobias Zajusch
6. Platz 1:51,55 min
4×50m Lagen mixed, AK 160
Alisa Riebensahm, Wolfgang Haack, Marcel Selinger, Andrea Kunkel
5. Platz 2:06,47 min


Suche

Mitglied werden Schwimmschule Vorschwimmen Jugentreff “LIP29“

RSS IconRSS: News & Berichte