Die Vereinsgeschichte der SG Neukölln

Wer Interesse hat, vertieft in die Geschichte der SG Neukölln einzutauchen, dem steht das Archiv immer dienstags von 17 bis 19 Uhr in der Geschäftsstelle zur Verfügung.

Der Anfang 1898

Der Neuköllner Schwimmsport blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Seit nunmehr über 115 Jahren wird gemeinsames Training im Vereinsrahmen betrieben. Die Geschichte der Schwimm-Gemeinschaft Neukölln e.V. Berlin beginnt im Jahre 1898, nämlich mit der Gründung der “Schwimm-Union Rixdorf” am 10. Juni 1898. Neben des später in “Schwimm-Union Neukölln 1898 e.V.” umbenannten Clubs gehören zwei weitere Neuköllner Schwimmvereine – die “Freien Schwimmer Neukölln e.V.” (gegründet am 12. Juni 1904) und der “Schwimm-Club Neukölln e.V.” (gegründet am 1. August 1949) – fest zur Geschichte der SG Neukölln. Alle drei Vereine verband die Liebe zum Schwimmsport, der Spaß an der körperlichen Betätigung sowie das geselligen Vereinsleben.

Bilder aus der Anfangszeit des Neuköllner Schwimmsports


Der Krieg

Der Neuköllner Schwimmsport hat wie die Allgemeinheit insgesamt in dieser Zeit einschneidende Geschehnisse erfahren: Politische und moralische Einschränkungen und gesellschaftliche Zwänge, die heute kaum noch vorstellbar sind. 1933 wurde die FSN von den Nationalsozialisten – wie sämtliche Arbeitersportvereine – aufgrund ihrer sozialdemokratischen Einstellung verboten. Die Machtergreifung Hitlers stützte sich auf den bürgerlichen Sport, durch den sich im Sinne der Nationalsozialisten nationale, völkische und großdeutsche Gesinnungen und wehrhafte Erziehung fördern ließen. Die bürgerlichen Sportverbände schlossen sich mehr oder weniger freiwillig der politischen Regierung an.

1945 verboten die alliierten Siegermächte dann die SUN wie alle anderen Sportvereine und Verbände auch, da sie Mitglieder des nationalsozialistischen Dachsportverbandes NSRL waren. Das war kein generelles Sportverbot, nur sollte der Wiederaufbau des Sports von unten beginnen und mit dem Deutschen Sportbund eine demokratische Struktur erhalten.

Der Krieg verursachte viele Einschränkungen und Ausfälle wie z.B. die Zerstörung von Sportanlagen. Der Wiederaufbau nach Ende des 2. Weltkrieges schritt mit wenigen und einfachen Mitteln voran. So wurden eigene Trainingsstätten und dergleichen mehr errichtet. Dies alles geschah immer unter dem Gesichtspunkt der Sicherstellung des Übungs- und Trainingsbetriebes in den verschiedenen Sportarten. Die meisten Neuköllner Schwimmsportler, die diesen fürchterlichen Weltkrieg überlebt hatten, trainierten zunächst in einer losen Vereinigung zusammen, der sogenannten Schwimmgruppe Neukölln. Neben den wassergebundenen Sportarten wurden immer auch Mannschaftsspiele wie Fußball, Faustball oder ähnliches betrieben. Nicht zuletzt ist dies immer der Initiative aller Mitglieder zu verdanken gewesen. Es gab in jedem Verein Persönlichkeiten, welche sich durch ihren unerschütterlichen Enthusiasmus über Jahre und Jahrzehnte hinweg um den Schwimmsport in Neukölln besonders verdient gemacht haben.

Mit zunehmender Stabilisierung wurden ab dem Jahr 1949 Neugründungen durch die Amerikaner zugelassen. Viele Mitglieder der von 1933 bis 1945 durch die Nazis verbotenen Vereine Fichte, SSC und FSN sowie ehemalige Mitglieder der ab 1945 verbotenen SUN gehörten zu den ersten Mitgliedern des Schwimm-Club-Neukölln. Erst 1950 wurde die Schwimm-Union wieder zugelassen. Die Freien Schwimmer gründeten sich unter dem bis 1933 gültigen alten Namen neu und führten die Tradition der während der Nazizeit verbotenen Arbeitervereine ab 1950 fort.

Bilder aus der Kriegs- und Nachkriegszeit


Bau des alten Sportbades Britz 1959

Viele Berliner Wassersportvereine hatten ihr Domizil an den Ufern der Kanäle unserer Stadt. Als das Bundesgesundheitsamt im Jahre 1956 entschied, jeglichen Badebetrieb in den Berliner Kanälen aus seuchenhygienischen Gründen zu untersagen, standen mehr als ein Viertel aller Berliner Schwimmvereinsmitglieder ohne sportliches Domizil da. Auch die Neuköllner Vereine hatten unter der nun eintretenden Zersplitterung des Vereinsgefüges stark zu leiden. Zusammen mit dem Betriebsverein der Rudower Eternit-Werke konnten sie am 13. Juni 1959 die Eröffnung des Sportbades Britz feiern.

Die Vereine, als Pächter des Geländes, hatten wieder ein schönes “Heim” mit einem Sportbecken (50 × 16⅔ m) und einem Lehrschwimmbecken (14 × 8 m). Das Vereinsleben konnte in dem auf dem gleichen Gelände errichteten hölzernen Vereinsheim wieder wachsen. Im April 1970 ist das Bad an das Fernwärmenetz angeschlossen worden.


Bilder vom alten Sportbad Britz


Startgemeinschaft Neukölln Wasserratten 1969

Unter dieser Bezeichnung haben die großen drei Neuköllner Schwimmvereine „Freie Schwimmer“, „Schwimm-Club“ und “Schwimm-Union“ sowie die “Berliner Wasserratten” am 21. Oktober 1969 eine Startgemeinschaft gebildet. Alle Vereine waren innerhalb der Startgemeinschaft gleichberechtigt. Sämtliche Aktivitäten, sowohl im sportlichen als auch im außersportlichen Bereich, wurden gemeinsam durchgeführt.

Da die Wettkampfbestimmungen des Deutschen Schwimm-Verbandes in der Sparte Wasserball keine Startgemeinschaften kennen, mussten die Mannschaften unter einem Vereinsnamen starten. Trotzdem hat es auch hier eine Kräftekonzentration gegeben. So spielten die Frauenmannschaften ausschließlich für die SUN, während die Männermannschaften für den SCN und die Jugendmannschaften für den FSN spielten. 1986 schieden die Berliner Wasserratten aus der SG aus. Die Startgemeinschaft war der sportliche Vorläufer zur Fusion der drei Vereine 1997.

Der Brand 1972

Am 7. Oktober 1972 wurden das Vereinsheim, die Umkleiden und alle Unterkünfte ein Raub der Flammen. Mit dem Brand wurden auch fast alle Dokumente, Fotos und Urkunden vernichtet. Ein aus drei geschmolzenen Pokalen zusammengefügter “neuer” Pokal erinnert im Casino bis heute daran. Nach einigen Provisorien durch Baracken konnte am 9. Oktober 1976 die Grundsteinlegung für das jetzige Vereinsheim und Verwaltungsgebäude gefeiert werden. Am 11. Juni 1977 wurde dieses eingeweiht.


Bilder vom Brand 1972


Bau des neuen Sportbades Britz 1994

Nachdem am Anfang der 90-er Jahren die durchschnittliche Lebensdauer eines Freibades weit überschritten war, zeichnete sich nach 35 Jahren Betrieb das Ende des Bades ab. Die in immer kürzeren Zeiträumen erforderlichen Reparaturen waren nicht mehr zu finanzieren. So wurden Ende September 1994 die Schwimmbecken stillgelegt.

Mit der Planung eines neuen Sportbades wurde bereits im Januar 1993 begonnen. Mit der symbolischen Grundsteinlegung am 18. September 1994 ist der Neubau des Bades eingeleitet worden. Der erste Spatenstich erfolgte im September 1995. Für die Bauphase war eine Rekordzeit von nur sieben bis acht Monaten vorgesehen. Leider hat sich wegen einer lang anhaltenden Frostperiode eine Verzögerung von rund drei Monaten ergeben, so dass am 18. Juni 1996 das neue Bad eröffnet werden konnte.

Das neue Sportbad Britz beinhaltet ein Sportbecken (50 × 25 m, 2 m tief), ein Lehrschwimmbecken (20 × 12 m; 0,60m – 1,40 tief) und ein Babybecken (7 m Durchmesser). Es wurde ein neues Maschinenhaus für die technischen Anlagen gebaut sowie umgebaute und modernisierte Sanitäranlagen geschaffen.
Nutzer der Anlagen sind vor allem die Vereinsmitglieder. Dazu wird die Anlage genutzt für Schulschwimmunterricht, von Kindertagesstätten, für Dienstschwimmen (z.B. Polizei und Feuerwehr), Betriebssportgruppen und Gesundheitssport.

Bilder vom Neubau des Sportbades Britz

Die Fusion 1997

Durch den Zusammenschluss am 13. Februar 1997 per 1. Januar 1997 zwischen der “Schwimm-Union Neukölln 1898 e.V.”, der “Freie Schwimmer Neukölln e.V.” (gegründet 1904) und dem “Schwimm Club Neukölln” (gegründet 1949) zur “Schwimm-Gemeinschaft Neukölln e.V. Berlin” entstand kein neuer Verein im eigentlichen Sinne. Es wurde lediglich unter einem Dach zusammengefasst, was schon über Jahrzehnte Bestand hatte und allen drei Gründungsvereinen gemein war: Die Liebe zum Schwimmsport, der Spaß an der körperlichen Betätigung sowie das geselligen Vereinsleben. Mit zur Zeit ca. 4.700 Mitgliedern ist die SG Neukölln der größte Schwimmverein und der fünftgrößte Sportverein in Berlin.

Im folgenden Jahr wurde im großen Rahmen die 100-Jahr-Feier begangen. Hierzu gab es eine Sonderausgabe der Vereinszeitung.


Der “Stammbaum” der Schwimm-Gemeinschaft Neukölln


Der Stammbaum der SG Neukölln

Bisherige Vorsitzende

Schwimm-Union Neukölln

1898 – 1899 Georg Hoffmann, Arnulf Merges und Bruno Weiß
1899 – 1900 Arnulf Merges
1900 – 1902 Franz Schmeling
1902 – 1905 Hugo Bickhard
1905 – 1907 Arnulf Merges
1907 – 1911 Hugo Bickhard
1911 – 1915 Rudolf Schadebach und Wilhelm Blume
1915 – 1917 Otto Karge und Max Penskus
1917 – 1919 Paul Kölpin
1919 – 1920 Rudolf Schadebach
1920 – 1921 Fritz Tinius
1921 – 1923 Rudolf Schadebach
1923 – 1924 Walter Wolf und Bruno Weiß
1924 – 1925 Willi Kaupp
1925 – 1926 Fritz Burow
1926 – 1938 Karl Reinhard
1938 – 1945 Paul Linke
1945 – 1950 Verbot der SUN
1951 – 1952 Rudolf Schadebach
1953 – 1957 Rudi Richter
1958 – 1960 Helmut Behrmann
1961 – 1963 Kurt Gartz
1964 – 1967 Willy Dahse
1968 – 1979 Karlheinz Woczk
1980 – 1997 Gerd-Peter Weitzel

Freie Schwimmer Neukölln

1904 – ? Emil Gerstmann
? – 1933 Willi Ruthe
1933 – 1950 Verbot der FSN
1950 – 1956 Willi Ruthe
1956 – 1958 Günter Sadina
1958 – 1970 Kurt Feilke
1970 – 1975 Horst Wilde
1975 – 1982 Helmut Biegel
1982 – 1986 Horst Heidenreich
1986 – 1993 Manfred Rosenowski
1993 – 1997 Helmut F. Biegel

Schwimm-Club Neukölln

1949 – 1951 Walter Thomas
1951 – 1952 Georg Kratzert
1952 – 1957 Ernst Franz
1957 – 1958 Walter Thomas
1958 – 1970 Erich Kuttig
1970 – 1985 Helmut Huwe
1985 – 1988 Wolfgang Temke
1988 – 1990 Reinhold Klemz
1990 – 1996 Ulrich Paul
1996 – 1997 Michael Steinke

Schwimm-Gemeinschaft Neukölln

1997 – 2000 Helmut F. Biegel
seit 2000 Michael Steinke


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