Projekt Samstagsschwimmkurs

Ende Mai 2017, nachdem unsere Freibadsaison längst gestartet war, erhielten wir eine Mail eines gemeinnützigen Trägers mit einer Anfrage für einen Schwimmkurs für acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die gerne sicherer im Wasser werden wollen. Da Mitte August für die Jugendlichen eine kleine Urlaubsfahrt geplant ist, bleibt uns nur sehr wenig Zeit, den Jungs etwas beizubringen. Wir verständigten uns auf acht Termine am Samstagmittag, da in der Woche unsere Wasserfläche immer gut belegt ist.

Die Suche nach Trainern gestaltete sich schwierig, da der Samstagmittag keine beliebte Trainingszeit ist. Auch deshalb gab es den Plan, mehr Trainer anzusprechen, damit man sich nicht jeden Samstag frei halten muss. Nachdem wir eine vierköpfige Trainercrew beisammen hatten (Horst und Wolfgang als Vertreter der Schwimmabteilung, Patrice für die Wasserballabteilung und Lara aus der Schwimmschule) ging es am 24.6.17 um 11:45 Uhr los. Die erste Überraschung: es kamen elf Jungs im Alter von 8-15 Jahren statt der angekündigten acht. Na gut, zum Glück hatten die drei anwesenden Trainer Zeit, um die schwimmerischen Fähigkeiten der Jungs in Augenschein zu nehmen, denn die Vorkenntnisse reichen von „ich kann gar nicht schwimmen“ bis „ich habe gerade in der Schule mein Bronze-Abzeichen gemacht“. Die erste Frage der jüngsten war: „Müssen wir hier nur lernen, oder können wir auch spielen??“ Die Intension des Kurses ist ja „spielerisch schwimmen lernen“ bzw. „richtig schwimmen“. Die zweite wichtige Frage der Teilnehmer: „Habt ihr alle einen Rettungsschwimmschein?“ Im Gespräch mit der begleitenden Erzieherin wurde uns klar, dass fast alle Jugendlichen eine Flucht über das Wasser mit den entsprechenden psychischen Folgen hinter sich haben.

In der Vorstellungsrunde wurde deutlich, welch eine bunte Truppe da bei uns ist: Die Jugendlichen kommen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Gambia und Pakistan. Aber allen ist gemein, sie wollen besser schwimmen lernen. Viele können sich bereits ein wenig über Wasser halten, richtig schwimmen geht anders!! Natürlich sind sie draußen am Beckenrand erstmal sehr selbstbewusst, aber die Dusche am Fußbecken muss doch nicht sein, oder? Tja, dumm gelaufen, alle Trainer bestehen darauf, einmal zu duschen, bevor es ins Wasser geht. Auch die Aufforderung „Am Becken nicht rennen! Langsam laufen!“ kommt von allen Trainern mantraartig in regelmäßigen Abständen. Es ist schön zu sehen, dass alle Trainer an einem Strang ziehen. Das ist auch nötig, denn mit zunehmender Sicherheit im Lehrschwimmbecken wird die Aufmerksamkeitsspanne der Jungs für die gestellten Aufgaben geringer. Plötzlich stellen sie fest, es ist ja anstrengend, die Arme in großen Kreisen zu bewegen und dabei die Füße vom Boden zu lösen. Und Einatmen und Ausatmen muss man ja auch noch! Der Griff zum Beckenrand erfolgt in immer kürzeren Abständen. Die ersten Jungs kommen zur Erzieherin und melden: „Wir haben Hunger!“ Ein bisschen Zeit ist noch, Patrice holt die kleinen Tore und Bälle, alle Jungs sind wieder mit Begeisterung im Wasser und „spielen Wasserball“. Die erste Stunde ist wie im Flug vergangen und die Jungs sind geschafft und hungrig. Sie laufen zurück zu ihrer Wohngruppe im Girlitzweg und freuen sich auf ihr Mittagessen.

Die Trainer resümieren den Kurs mit den Worten: Neuland für uns in Bezug auf die Voraussetzungen der Jugendlichen; anstrengend, da mehr als nur schwimmen gelernt werden soll, aber die Hoffnung, dass einige Teilnehmer das Seepferdchen-Abzeichen oder Bronze erreichen können, ist da. Aber wir brauchen, um allen unterschiedlichen Leistungsständen der Jungs gerecht werden zu können, noch einen Trainer. Gut, dass gerade Norina zur Tür hereinkommt, da fragen wir doch gleich mal nach …

Kirsten Lüdecke


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